... Der gehörnte Gott ...
Der wilde Mann des Waldes

Der Gott der Hexen ist ein zärtlicher Gott der Liebe und der Sexualität, zugleich symbolisiert er jedoch auch die Macht des Verstandes und die ungebändigte sowie wilde Kraft des Jägers. Er stellt den gleichwertigen Gegenpol zur Göttin dar und ist zugleich ihr Kind sowie ihr Gefährte. Zu dem ist er die Verkörperung des männlichen Prinzips, welches jedoch nicht mit den Werten unserer Gesellschaft vergleichbar ist.
Wir Zaunreiter bezeichnen ihn auch als den „Gehörnten“. Diese Aussage bezieht sich auf seine Hörner, welche ein Ausdruck seiner Verbindung zur Natur und zum allumfassenden Sein sind. Die Hörner des Gottes der Hexen stehen für die zu- und abnehmenden Halbmonde der göttlichen Mondin und sind ein Symbol animalische Vitalität. Ich möchte an dieser Stelle hervorheben, dass es sich beim gehörnten Gott nicht um den Teufel der Christen handelt. Wir Hexen glauben nicht an Satan, noch beten wir ihn an. Luzifer mag zwar eine Perversion unseres Gottes sein, doch letztendlich ist er für uns nur eine unnachvollziehbare Eigenheit der judeo-christlichen Theologie.
Der Gehörnte repräsentiert, so wie die Göttin den Mond darstellt, die wärmende sowie Licht spendende Sonne. Zu dem wird ihm die Zeit des Schwarzmondes zugeordnet, in welcher die Kraft der Sonne jene des Mondes überschattet, da die Macht des Mondes zu dieser Zeit im Reich des Todes wandelt, um sich auf ihre Wiedergeburt vorzubereiten.
Der Gott der Hexen ist der Reisende, welcher auf den Pfaden des Jahresrades, welches die Göttin darstellt, wandelt. Er ist die Macht aus allem, was geboren und anschließend zerstört wird, damit neues entstehen kann. Er ist der sterbende, hingebende Gott, der sein Leben opfert, damit sein Tod der allumfassenden Lebenskraft dienen kann. Er ist der Jäger, der tötet aber auch getötet wird. Seine ungezähmte Kraft, steht immer im Dienste des Lebens. Als Jäger steht der Gehörnte zu dem für die Suche, die Suche nach allem was ist, unabhängig davon, ob sie körperlich, geistig, spirituell, künstlerisch, wissenschaftlich oder gesellschaftlich bedingt ist.
Der gehörnte Gott ist frei von männlichen Verhaltensdogmen des Patriarchats, welche von dem Erlangen von Macht und Ruhm sowie dem Einnehmen der Vaterrolle geprägt sind. Der Gott wurde von der jungfräulichen Mutter gezeugt, welche durch ihn selbst in seinem vorherigen Seinszyklus befruchtet wurde. So ist er zugleich Kind und Vater in einem Wesen, vereint diese Kräfte und ist daher frei von den diktierten gesellschaftlichen Normen.
Der Gott der Hexen ist die heilige, tiefgründige Kraft sowie die unbändige, jedoch nicht gewalttätige, Form der Sexualität. Dies geschieht jedoch immer im einvernehmen beider Polaritäten, denn der Akt sowie der Körper ist heilig. Das Ziel ist nie die Beherrschung des anderen, sondern immer die gemeinsame Verschmelzung. Die Sehnsucht und Begierde des Gottes besteht darin sich mit der ursprünglichen nährenden Kraft der Muttergöttin zu vereinen, nicht sich diese Macht Untertan zu machen.
Obwohl der Gehörnte die unbändige sowie animalische Kraft der Sexualität repräsentiert, steht er ebenfalls für die Macht des Verstandes und des Geistes. Diese gegensätzlichen Kräfte werden im Hexentum nicht als Widerspruch wahrgenommen. Der wärmende Gott ist in der Lage sein körperliches Verlangen nach Vereinigung in intellektuelle Neu- sowie Wissbegier umzuwandeln. Das Streben nach Erkenntnis und Wissen stellt im Grunde ebenfalls eine Vereinigung mit dem Ganzen dar, welche jedoch auf eine andere Art und Weise zelebriert wird.

Der Gott der Hexen ist frei, ungezügelt und wild. Zu gleich ist er jedoch sanft, zärtlich, einfühlsam und wissensbegierig. Er ist die Vereinigung von patriarchalischen Gegensätzen, welche jedoch keine sein müssen.

Quellen

 

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