... Die Priesterschaft im Hexentum...
Vom Ruf der Götter und dem Dienst am Sein

Die Priesterschaft in einer Naturreligion, besonders im Hexentum, ist meinem Erachten nach ein sehr heikles Thema. Die Meinungen gehen bezüglich der göttlichen Initiation, der Selbstweihung, einer hierarchischen Einteilung sowie der Priesterschaft an sich weit auseinander und so kann ich hier auch nur meine eigene Ansicht darstellen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Priester und Priesterinnen nicht von anderen Menschen initiiert werden können, sondern nur von den Göttern. Durch Initiationsrituale können wir versuchen, eine geeignete Umgebung zur Aufnahme eines Menschen in den Kreis der "der Göttin und dem Gott dienenden" zu schaffen.
Die entscheidenden Ereignisse, an denen die frisch initiierten Wesen die Akzeptanz und göttliche Zustimmung für sich persönlich festmachten, geschehen oftmals kurz vor oder nach dem eigentlichen Ritus. Der Einweihungsritus als solcher, ist jedoch als formale Aufnahme für die betroffene Personen selber, oft sehr wichtig und daher sollte seine Bedeutung auch nicht geschmälert werden. Jedoch stellt er eben nur einen Teil einer wesentlich komplexeren Struktur dar, die Zeit, Kraft und Liebe benötigt.
Die Initiation einer Hexe oder eines Hexers durch ein Ritual bedeutet nicht, dass diese oder dieser eine wirkliche Priesterin bzw. ein wirklicher Priester der Göttin und des Gottes ist und wiederum bedeutet es nicht, dass man nur eine Priesterin oder ein Priester der Göttin und des Gottes sein kann, wenn man eine Initiation erhalten hat.
Priesterin und Priester der Göttin und des Gottes zu sein bedeutet weitaus mehr, als nur magische Tätigkeiten, Sprüche und Rituale zu beherrschen, mehr, als all ihre Mythen und Geschichten zu kennen, mehr, als Dämonen und andere Wesenheiten beschwören zu können.
Eine Priesterin oder ein Priester der Göttin und des Gottes hat in Ihr und in Ihm ihren bzw. seinen Glauben, sein Heim gefunden. Dieses Wesen ist zu Hause angekommen, meist, nach einem langen und gewundenen Weg. Eine Priesterin oder ein Priester zu sein bedeutet sich selbst zu kennen und zu lieben, denn die Göttin und alles was du suchst findest du nur in dir selbst. Die Göttin ist in dir. Wie willst du ihre Lehren und ihren Zauber verbreiten, wenn du sie nicht selbst in dir vernimmst?
Wie willst du andere Menschen von ihren Ängsten befreien, wenn du sie selbst tief in deinem Herzen trägst?
Erst wenn du dich gefunden hast bist du bereit die Arbeit einer Priesterin oder eines Priesters zu leisten. Aus diesem Grunde geht es in der Ausbildung zur Priesterin oder zum Priester nicht nur darum, magische Fähigkeiten und Techniken zu erlernen, dir Wissen anzueignen, anderen Wesen zu begegnen oder Rituale zu zelebrieren. Du sollst durch bestimmte Übungen, wie zum Beispiel Atemtechniken, deine eigenen Blockaden in dir aufspüren und lernen diese Hindernisse abzutragen. Du sollst dich selbst kennen lernen, sollst deine positiven wie auch deine negativen Seiten bewusst wahrnehmen und auch lieben lernen. Achte dich selbst und deinen Körper.
Möchtest du in deiner Rolle als Priesterin bzw. Priester einen magischen Zusammenschluss von Menschen leiten erfordert dies noch weitere Fähigkeiten, die zur optimalen Erfüllung der Aufgaben benötigt werden.
Du solltest z.B. über eine sehr sensible Wahrnehmung verfügen, damit du die Gruppenenergien im magischen Kreis erspüren und so lenken sowie positiv beeinflussen kannst. Diese Gabe wird es dir auch erleichtern auf die Bedürfnisse einzelner Zirkelmitglieder einzugehen oder Gefahren im Voraus zu erkennen.
Natürlich solltest du auch über Führungsqualitäten verfügen, fähig sein Differenzen in der Gruppe zu schlichten und Wissen weiterzugeben. Es ist nicht immer einfach eine Gruppe von individuellen Wesen zu leiten und dabei allen Wünschen gerecht zu werden. Eine solche Position erfordert viel Zeit, Hingabe sowie Geduld.
Übe ein solches Amt niemals aus um Macht zu erlangen, denn dann wird euer Coven nicht lange von Bestand sein. Aus eigener Erfahrung möchte ich dir sagen, dass du oft sehr viel opfern wirst, und dazu musst du auch von ganzem Herzen bereit sein. Erwarte keinen Lohn, keine Dankbarkeit für deine Arbeit, sondern diene deinem Zirkel in vollkommener Hingabe deiner selbst willen.

Ich wünsche dir auf deinem Weg in den Kreis der "der Göttin und dem Gott dienenden“ viel Kraft und Liebe. Habe keine Angst auf deinem Pfad, denn du liegst im Schoße der großen Mutter, die ihre Hand schützend über deinen Kopf hält.

Quellen

 

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